Marken 2019 04 08

Ob Tommy Hilfiger, Guess, Calvin Klein oder Hollister, teure Markenkleidung findet man mittlerweile an so gut wie jeder Schule. Ist dies bereits eine Sucht unter Jugendlichen?

Kerpen. Ich gehe durch die Gänge unserer Schule und sehe lauter Markenkleidung. Was mir besonders ins Auge springt: Es sind nicht nur Mädchen, die Wert auf ein teures Outfit legen. Viele meinen, Mädchen geben viel mehr Geld für teure Kleidung aus. Aber wenn man einen Blick in jede beliebige Klasse wirft, sieht man mittlerweile sehr viele Jungs mit Markenkleidung, z.B. mit Nike Schuhen. Das Modell Nike Air Max 97 ist besonders beliebt bei Jungen, der Kostenpunkt beträgt meist 135 Euro, oftmals aber auch deutlich mehr. Lässt sich daraus schließen, dass es den SchülerInnen um ein teures Outfit geht, oder sind Markenklamotten bereits eine Sucht, die man bei fast jedem zweiten Jugendlichen bemerken kann?

Viele argumentieren, dass bei Markenkleidung eine bessere Qualität festzustellen ist, jedoch kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass dies meist nicht der Fall ist. Bei einer 100 Euro Markenjeans kann man genauso viele Anteile Polyester, Elastan und Baumwolle finden, wie in einer vergleichbaren Zara-Jeans für circa 30 Euro. Hinzu kommt, dass die teuren Produkte in Ländern wie Pakistan, Bangladesch, China oder der Türkei von deutlich unterbezahlten NäherInnen produziert werden, genauso wie die günstigeren Marken dies tun. Die dramatische Situation kann man bereits seit Jahren in Bangladesch sehen, da dort laut einer Studie etwa 2,2 Millionen junge Frauen beschäftigt werden, die in 13- bis 16-Stunden-Schichten arbeiten und Überstunden ihren Tag bestimmen. Aufgrund mangelnder Schulbildung und akuten Arbeitsplatzmangels haben die Frauen meist keine andere Möglichkeit, als in Fabriken zu arbeiten und die Zustände auszuhalten. Um gute Qualität erwarten zu können, muss man nicht unbedingt 50 Euro für ein Tommy Hilfiger T-Shirt ausgeben, jedoch sollte man darauf achten, in welchem Land und durch wen das jeweilige Produkt hergestellt worden ist. Zu empfehlen ist beispielsweise fair produzierte Kleidung, die eine bessere Bezahlung garantiert, die Umstände, unter denen produziert wird, sind ebenfalls deutlich besser. Um fair produzierte Kleidung von Konventioneller unterscheiden zu können, gibt es mehrere Siegel, die auf die faire Produktion hinweisen. Beispielsweise kann man sich auf der Internetseite der Verbraucherzentale über geprüfte Siegel informieren, dazu zählt unter anderem das Siegel „FairWear“. Die Fair Wear Foundation entwickelt mit Unternehmen eine Verbesserung der sozialen Bedingungen in allen Konfektionsbetrieben der textilen Kette in den Produktionsländern.

Fairwear logo 2019 04 10

Da es bei dem Markenwahn anscheinend nicht um eine bessere Qualität geht, muss es noch andere Gründe geben, warum junge Leute für ein „cooles“ Outfit so tief in die Tasche greifen. Das Naheliegendste ist wohl, dass Jugendliche oft auf ihre Kleidung reduziert werden und somit oft aus den beliebten Gruppen in der Schule ausgeschlossen oder gar gemobbt werden. Somit ist die Markenkleidung ein Schutzschild, hinter dem man sich verstecken kann. Allein schon die Aufschrift „Levis“ auf einem T-Shirt, „Gucci“ auf einem Gürtel und „Guess“ auf einer Tasche reicht aus, um in der Schule akzeptiert zu werden und als „cool“ zu gelten. Was auffällt: Besonders die schwächeren Schüler tragen von Kopf bis Fuß Markenkleidung, manche setzten auf billige Fakes aus der Türkei oder aus China, das einzige was dabei zählt ist, dass der Name einer teuren Marke draufsteht, egal ob gefälscht oder nicht.

Eine mögliche Lösung des Problems könnte die Einführung einer einheitlichen Schuluniform sein, durch die Schüler keine Möglichkeit mehr hätten, durch Markenkleidung von anderen Schülern als „cool“ angesehen zu werden. Vielleicht würden dann Jugendliche mehr auf den Charakter der Person gegenüber achten und nicht nur wegen des Äußeren eine Person mögen.

Wiktoria Wolaniuk (9.1)