In Weihnachtsfilmen sowie Geschichten ist beim Transport von Geschenken meist von Rentieren die Rede. Doch warum ziehen Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner, Blitzen und Rudolph und nicht Ferdinand, Prinz, Nero, Pegasus, Flicka, Beauty, Lady, Abraxas und Fury den Schlitten?

Wenn man sich vorstellt, was die Kriterien für einen erfolgreichen Flug vom 24. – 25. Dezember sind, dann kann man sich, abgesehen von Rudolphs leuchtender Nase, vorstellen, warum die Rentiere beim Vorstellungsgespräch die Nase vorn hatten. Der Weihnachtsmann muss zu den verschiedensten Orten der Welt reisen und dabei sind die diversen Klimazonen nicht außer Acht zu lassen. Temperaturschwankungen sowie extreme Kälte sind den pelzigen Gefährten völlig gleich. Ihr dichtes Fell trägt sie durch kalte Zeiten und mit der bewährten Methode der Hunde, bei Anstrengung zu hecheln, ist die Gefahr der Überhitzung gebannt.

Da der Weihnachtsmann durch kulturelle Unterschiede die Bevölkerung zu unterschiedlichsten Zeiten mit Geschenken beliefern muss, ist auch die schwache innere Uhr der Rentiere ein entscheidender Vorteil. Sie sind in der Lage selbst zu entscheiden, wie lange sie aktiv sind, da ihr Rhythmus nicht von natürlichen Reizen beeinflussbar ist. ,,Nachtaktiv“ oder ,,Tagaktiv“ sind für sie also keine Begriffe.

Neben der roten Nase Rudolphs, die Licht ins Dunkel bringt, sollte man ebenso die generell sehr bemerkenswerte Nase der restlichen Rentiere in Betracht ziehen. Die Nase unserer Geschenkelieferanten besitzt über eine beachtliche Menge an Blutgefäßen auch eine bedeutend dichte Konzentration an Blutzellen in der Nase, ergo die Nase der Rentiere ist sehr gut durchblutet. Dadurch, dass sie über eine höhere Dichte von Schleimdrüsen in ihrer Nase verfügen, ist das Organ stets geschützt und das perfekte Nasenklima wird bei jeder, noch so von der Komfortzone abweichenden Temperatur gewährleistet.

Was die Geschwindigkeit angeht, sind die Rentiere ebenfalls nahezu bahnbrechend. Mit ihren 80 km/h können sie dem Weihnachtsmann, wenn er mal verschlafen hat, einiges an Zeit verschaffen und Geschenke zügig von Ort zu Ort bringen.

Der Sympathiefaktor ist ebenfalls ein entscheidender Pluspunkt, den sich das Ren beim Weihnachtsmann ergattert hat, denn schließlich muss ja auch die Chemie zwischen Reiter und Gefährt stimmen. Die Verbindung zwischen Menschen und Rentieren besteht schon seit tausenden von Jahren. In unserer Geschichte war das Rentier ein sehr bedeutendes Nutztier und vor allen Dingen ein „treuer Freund“. Anhand von steinzeitlichen Felsmalereien kann man schlussfolgern, dass es den Neandertalern wohl vor dem Gefühl eines leeren Magens bewährte. Um 1000 v. Chr. wurde es dann in der skandinavischen sowie sibirischen Region als Zug- und Lasttier genutzt, womit man den bildlichen Gedanken vom „Ziehen des Schlittens“, der oft im Bezug zu Rentieren hergestellt wird, begründen kann.

Doch die Rentiere kommen nur gegen natürliche Gefahren an. Der Industrie sind sie völlig ausgesetzt und sie konnten in den letzten Jahrzehnten keine einzigartige Methode entwickeln, um ihre Bestände beizubehalten. Ihr Lebensraum wird Stück für Stück immer kleiner, da die Gesellschaft Bodenschätzen und Industrieprojekten Priorität geschenkt hat.

Nichtsdestotrotz sind die Rentiere eine unersetzliche Unterstützung für den Weihnachtsmann, und werden abgesehen von ihrer Einzigartigkeit, durch ihren Platz, den sie sich in Kinder- sowie Erwachsenenherzen errungen haben, noch einige Jahre dem Job als Schlittenzieher, Weggefährten und mentale Unterstützer des Weihnachtsmannes dienen.

Nike van Son (9.1)