Suche:

europadiskussion17kl
Drei Oberstufenkurse unserer Schule nahmen an dem Seminar „Europas Zukunft – unsere Zukunft“ teil

Der Liedermacher Funny van Dannen hat vor vielen Jahren in seinem Song „Gutes Tun“ – natürlich ironisch – angeregt, man müsse – dem Titel des Songs entsprechend – auch einmal die Bereitschaft haben, mit Nazis zu diskutieren.

Dass die Volksvertreter der europäischen Bürger/innen zumindest den Umgang mit Rechtspopulisten „lernen“ müssen, ist eine Herausforderung, der sich die EU-Abgeordneten stellen werden. Und das ist – kleine Bemerkung am Rande – nicht ironisch gemeint. Le Pen (Frankreich), Wilders (Niederlande) und Orbán (Ungarn) lassen grüßen.

Nun ist es aber leider nicht so, dass die Europäische Union nur diese eine Herausforderung zu bewältigen hat. Kommt das Wort Rechtspopulismus zur Sprache, werden im gleichen Atemzug Brexit, Euro- und Finanzkrise, eine fehlende europäische Identität und die gegenwärtige Flüchtlingssituation genannt. Probleme ohne Ende.

Auf die Initiative der Europäischen Akademie hin fand am 9. und 10. November ein an Schüler/innen gerichtetes Seminar zum Thema „Europas Zukunft – unsere Zukunft“ statt. Höhepunkt dieser Veranstaltung war eine Podiumsdiskussion in unserer Schule, an der neben drei Schülerexperten auch drei Politiker teilnahmen. Am Vortag hatten die teilnehmenden SoWi-Kurse von Herrn Janssen und Herrn Strucken-Bathke Zukunftsszenarien entworfen, die darauf abzielten zu skizzieren, wie die Europäische Union in zwei und in zwanzig Jahren vermutlich aussehen könnte. Die Ergebnisse veranschaulichten einerseits, dass Europa sich im Spannungsfeld von nationaler und europäischer Identität befindet. Sie deuteten aber auch darauf hin, dass wir uns gegenwärtig an die Vorteile der Europäischen Union gewöhnt haben und diese als selbstverständlich hinnehmen, ohne den ultimativen Mehrwert der EU (Frieden!) zu wertschätzen.

europadiskussion17kl2

Der zweite Projekttag war insofern sehr gewinnbringend, als er das gegenwärtige europäische Dilemma der EU auf den Punkt brachte: Wie soll man mit dem momentanen Rechtsruck vieler EU-Länder und ihrer gewählten Volksvertreter umgehen? Während der sozialdemokratische Europaabgeordnete Arndt Kohn beispielsweise in der Podiumsdiskussion darauf verwies, dass er die im EU-Parlament vertreten AfD-Politiker gar nicht kenne (Zitat Kohn: „Und das ist auch gut so!“), vertrat der für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung angereiste Dr. Rolf Steltemeier die Auffassung, es handle sich bei den AfD-Vertretern um „durchaus ehrbare Menschen“.

Wie dem auch sei: die politische Landschaft hat sich stark verändert und nur eine Bewältigung der Herausforderungen wird dazu führen, dass Europalust entsteht und nicht Europafrust. Und so wurde im Rahmen der Evaluation, die sich an die Veranstaltung anschloss, von einer Schülerin auch die Forderung nach mehr Europa im Unterricht geäußert. Das klingt eher nach Lust als nach Frust. Gehen wir es also an: Mehr Europa im Unterricht und mehr Wertschätzung für die europäischen Erfolge.

Fotos der Diskussion

Oliver Strucken-Bathke