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Kennt ihr das? Ihr guckt euch gerade eine Live-Fernsehsendung an und überlegt euch, wie denn eigentlich so eine perfekte Sendung entsteht?

Es gibt schließlich so viele Aufgaben! Ein Moderator muss seinen Text gut präsentieren, die Themen müssen aktuell und interessant sein, der Ton muss sitzen, Einspieler werden passend eingeblendet, Kameras werden gesteuert, die Outfits, wie auch die Maske, müssen gut sein und wer hat eigentlich den Überblick über dieses Chaos? Glücklicherweise fanden wir eine Antwort auf diese Fragen! Am 1. Dezember unternahm unsere Klasse, die 8.8, begleitet von unserer Deutschlehrerin Frau Frank und einer Begleitperson, Frau Schmidt, eine Exkursion zur WDR-Medienwerkstatt in Köln, um praktisch für unser damaliges Unterrichtsthema „Medien" zu lernen. Mit großer Vorfreude traf sich unsere Klasse gegen 8 Uhr am Horremer Bahnhof, um mit der S-Bahn nach Köln, genauer: zum Kölner HBf, zu fahren. Vorbei an der Domplatte und am lauten, geschäftigen Treiben Kölns, kamen wir schließlich in der Medienwerkstatt an.

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Diese befand sich in einem großen Gebäude mit der blauen Aufschrift „WDR“. Von der runden Eingangshalle aus konnte man die mehreren Etagen voller Läden und anderen Räumen des WDRs überblicken. Schon bald begrüßte uns eine Mitarbeiterin, die sich als Dezie vorstellte, und lotste uns in das sogenannte „Studio 2“. Dies ist ein L-förmiger Raum, voller Equipment: ein großer und ein kleiner Greenscreen, mehrere massive Kameras, umschlungen von Kabeln, mehrere moderne Besprechungstische und auch ein breites Pult voller Bildschirme wie auch leuchtender Knöpfe und Hebel. Die Einrichtung sah ebenfalls ziemlich futuristisch aus, die rechteckigen Sitzhocker waren in genau passende Vertiefungen in der Wand verstaut, nach Entnehmen der Hocker dienten die Vertiefungen als praktische Gepäckablage. Kurze Zeit später trafen wir uns gespannt an einer Tribüne, dort erklärte uns Dezie, die Grundlagen der Produktion für eine TV- Sendung und präsentierte uns die Greenscreenwand. Zwei „Versuchskaninchen“ aus unserer Klasse präsentierten uns dann auch, wie man sich mit Greenscreen „teleportieren" kann. Bei der Greenscreen - Technik stellt sich eine Person, ohne grüne Kleidung, vor eine grüne Wand und wird gefilmt, am Computer ist es dann möglich die grüne Wand mit einer beliebigen anderen Kulisse zu ersetzen, so waren die Versuchskaninchen kurz in Ägypten, 2 Sekündchen in Italien und dann wieder zurück im Studio. Als nächstes legten wir fest, wer welchen Job bei der Produktion einnehmen sollte, dabei wurden uns neben den typischen Jobs wie Moderator, Regisseur oder Kameramann/-frau, auch Berufe wie der Aufnahmeleiter, Bildmischer oder MAZ erklärt (mehr dazu gleich). Ich übernahm die Rolle des Aufnahmeleiter, dessen Aufgabe kurz gesagt darin besteht, alles zu koordinieren, einen Überblick über die Arbeit und über die Zeit zu behalten, wie auch Konferenzen zu leiten, Mitarbeitern zu helfen oder sie zu motivieren. Dabei arbeite ich eng mit dem Regisseur zusammen. Alle begaben sich zu ihrem Arbeitsplatz, an dem jeder eine dicke Mappe mit zugehörigen Erläuterung zur eigenen Aufgaben fand. Kurze Zeit später trommelte ich als Aufnahmeleiter eine Konferenz zusammen. „Also, jeder der nicht gefeuert werden will, muss jetzt gut zuhören", scherzte ich zu Beginn. In dieser Konferenz schafften wir uns einen ersten Überblick und sprachen die einzelnen Aufgaben ab, bevor die Arbeitszeit begann. Zudem legten wir den Namen der Sendung, „8 vor 8" (Klasse 8.8) fest.

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Mit meinen Infos unter'm Arm überblickte ich also das Geschehen. Kilian war Moderator und Redakteur für die „News“. „Wir begannen damit, Berichte und Bilder für die News auszusuchen“, erklärt er, „Daraufhin mussten wir zum Soundcheck bei Janina (Set und Tontechnik) und Enya (Toningeneurin).“ Am großen Pult, dem sogenannten "Regie-Bereich", befanden sich alle Personen, die mit Technik arbeiteten, wie zum Beispiel Lotta (MAZ) und Daniel (Bildmischer). Lotta erklärte mir: „Grobgesagt überblicken wir alles, was später in der Sendung zu sehen sein wird. Meine Aufgabe als MAZ ist es zum Beispiel, Einspieler und Berichte einzublenden. (Mein einziges Problem war, dass ich zu klein bin, um auf die Bildschirme zu gucken.)“ Bildmischer Daniel erklärte: „Meine Aufgabe ist es, zwischen Kameras zu schalten und auch das Audio zu überblicken. Lotta und ich haben für das Umschalten und Einspielen eine große Platte mit Knöpfen. Drei Mitarbeiter der WDR-Medienwerkstatt haben uns erklärt wie das geht, auch wenn es zum Teil ziemlich kompliziert war.“ Ich durchblättere meine Mappe, um zu kontrollieren, ob ich alle meine Aufgaben erledigt habe, als mich Dezie anspricht: „Es wird gleich Zeit für die nächste Konferenz." Nach der Arbeitphase war nun endlich die Zeit gekommen, die letzte Konferenz vor dem Dreh zu halten. Wir versammelten uns schließlich wieder an der treppenartigen Sitzreihe. Vor ruhigen, aber gespannten Augen klärten Regisseurin Annalena und ich was vor dem Dreh noch zu klären war, denn jetzt musste alles funktionieren.

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Dann ging es endlich los. Alle befanden sich auf ihren Positionen, die Moderatoren vor dem Greenscreen, die Technik am Regiebereich, ich stand neben dem Regiebereich und alle anderen am Sitzplatz und bald schon wurde das Intro unserer Sendung eingeblendet, die wir auf einem großen Bildschirm mitverfolgten. Kurze Zeit später schaltet Daniel zu den Moderatoren Eva und Noah, die die heutigen Themen vorstellten, mit angesteckten Mikrofonen und mit ausgewählten Kostümen und Masken. Nach einer kurzen Anmoderation wurde der erste, vom WDR vorproduzierte, Einspieler zum Thema „Brexit" gezeigt. Dieser Einspieler war eine kleine Pause für unsere Moderatoren, naja, auch wenn man dies nicht wirklich Pause nennen konnte. Ich fuchtelte wild mit den Armen, um der Crew „Schalte" zu symbolisieren, sie müssten jetzt zum kleinen Greenscreen, Moderatorin Eva muss aus dem Bild und Noah rückt nach rechts, der Regiebereich muss sich auf die Schalte vorbereiten „NOCH 30 SEKUNDEN!" ruft Regisseurin Annalena. Alle werden still und werfen einen Blick über das Geschehen, die Leute stehen richtig, Kostüm und Make-up sitzt, die Technik scheint zu funktionieren... „NOCH 10... 5, 4, 3...", ruft Annalena. „Verrückt, was so in der Welt los ist...", beginnt Noah seine Anmoderation, „Naja, aber was bei uns los ist, ist manchmal auch ziemlich komisch. Live vor Ort für sie: Antonia." Es folgt eine ironische und gespielte Umfrage zum „polarisierenden Thema", ob Einhörner existieren von Antonia als Reporterin, Melina, verrückte Einhornfanatikerin, und Giulia als Einhornfeindin. In dieser Zeit war der Rest natürlich nicht faul, wir bereiteten schon die nächste Anmoderation zum Bericht „Special Olympics", Olympia für geistig Behinderte, vor. Daraufhin ging es weiter mit den News von Kilian und dem Wetterbericht von Anne, begleitet von Bauchbinden, also Einblendungen, die Personen und Themen kurz vorstellen und beschreiben, von Schriftgenerator Oliver. Es folgte eine weitere Anmoderation von Eva. Im Interview erklärte sie mir später: „Es war anstrengend immer in die richtige Kamera zu schauen, immer freundlich zu lächeln und dabei auch noch den Text aufzusagen." Zum Schluss gab es ein Interview mit den „Jungunternehmer" Etienne und Safeer, geleitet von Sophia (Spoiler: Am Ende wird Jungunternehmer Safeer wegen betriebener Kinderarbeit, vom Aufnahmeleiter, verhaftet). Nach einer Abmoderation von Noah und Eva und dem Outro war die 15-minütige Sendung schon fertig. Zum Schluss wurde uns unsere Sendung , für den privaten Gebrauch, auf einem USB-Stick mitgegeben.

Nach dieser großen Portion an Information, danke ich im Namen unserer Klasse der Medienwerkstatt, Dezie und Frau Frank für die Organisation. Der Tag hat jedem, mit dem ich gesprochen habe, sehr großen Spaß gemacht, unter anderem weil sich die Produktion sehr professionell angefühlt hat. „Aufregend, neu und spannend. Es hat Spaß gemacht.", sagt Moderatorin Eva. „Es hat sehr viel Spaß gemacht und ich finde es echt nett von Frau Frank, dass sie das mit uns gemacht hat.", erklärt Schriftgenerator Oliver. „Die Mitarbeiter haben uns alles gut erklärt.", sagt Toningenieurin Enya. Der einzige Kritikpunkt der Klasse, und für den WDR ist dieser vielleicht eher ein Kompliment als Kritik, wir hätten gerne etwas mehr Zeit gehabt! Man braucht etwas Zeit, um seine Aufgaben zu verstehen und herauszufinden, mit wem man auf welche Weise zusammenarbeiten muss, deshalb wären uns mit mehr Zeit möglicherweise weniger Fehler passiert und natürlich war es einfach spannend, Zeit beim WDR zu verbringen. Trotzdem, jedem der die Möglichkeit hat die Medienwerkstatt zu besuchen, dem können wir das absolut empfehlen, ausnahmelos jeder konnte etwas lernen, hatte Spaß und hat dazu beigetragen eine professionelle Sendung zu produzieren! Auch Medienberufe und Ausbildungsmöglichkeiten kann man dort gut kennenlernen. 

Falls jemand keine FERNSEHSENDUNG machen will: Der WDR bietet auch die Möglichkeit, eine eigene Radiosendung zu produzieren! Falls ich euer Interesse für die Medienwerkstatt geweckt haben sollte, könnt ihr hier vorbeischauen:

http://www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr/medienundbildung/wdrstudiozwei100.html

Leon Paul 8.8