Abiturfeier 2019

Reboot. Dieser etwas ungewöhnliche Titel fand sich auf dem Handzettel zum ökumenischen Gottesdienst, mit dem traditionellerweise die Abiturfeier beginnt. Pfarrer Ralf Herbertz, Gemeindereferentin Claudia Overberg und Abiturientin Caroline Sander erklärten gemeinsam den Besuchern des Gottesdienstes die Bedeutung von Reboot. Zum Einstieg ein Sketch von Pfarrer Ralf Herbertz: Freitag Abend zu Hause, Netflix läuft nicht. Der Sohn der Familie empfiehlt nach vielen Versuchen ein Reboot, denn „Reboot tut meistens gut“.

In ihrer Ansprache verdeutlicht Gemeindereferentin Claudia Overberg, dass auch das Abitur ein Reboot im Sinne von Neuanfang ist. Für die Abiturienten wird sich vieles ändern/ es kommt viel Neues auf sie zu: Studium oder Ausbildung, ein neuer Wohnort, neue Freundschaften. Aber ein wenig vom bisherigen Leben wird man doch behalten - das vertraute Europagymnasium wird man nicht mehr täglich besuchen, aber die Erinnerung nimmt man mit in den neuen Lebensabschnitt. Caroline Sander schildert eindrücklich die Zweifel und Ängste, die die Abiturienten plagen. Und selbstverständlich auch die Freude und den Stolz, die Prüfungen bestanden zu haben. Jetzt steht es an, die eigene Zukunft zu gestalten. Caroline Sander will dabei auch mal neue Wege gehen, die man sich vielleicht bisher noch nicht vorgestellt hat. Dieser eindrückliche und lebendige Gottesdienst wurde musikalisch gestaltet von Maximilian Bach, Eva Corzelius, Nsansi Kiangebeni, Judith Krebs, Dr. Ralph Paland, Davina Weber und der Band Basement Projekt (Oliver Beißel, Emilio Klinke, Matteo Klinke, Jonas Deifert).

Die Zeugnisfeier in der Aula leitete Eva Corzelius am Flügel ein mit Robert Schumann: Von fremden Ländern und Menschen. Und es gelingt ihr, in die überhitzte, laute Aula Ruhe einkehren zu lassen. Die Feier konnte beginnen.

Schulleiterin Tatjana Strucken befasste sich in ihrer Rede mit dem Motto des Abiturjahrgangs 2019: Muhammad Abi. Sieg nach Punkten in der 12. Runde, das passt zur Schullaufbahn und erinnert unwillkürlich an die mündlichen Prüfungen, bei denen der ein oder andere seinen Abiturschnitt verbessern konnte, einige aber auch kämpfen mussten, um das Ziel, 100 Punkte, zu erreichen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Acht Abiturienten schließen mit der Durchschnittsnote 1,0 ab, immerhin 21 Schülerinnen und Schüler schafften die 1,3!

Ein Boxer als Mottogeber – wer waren die Gegner? Waren es die Lehrer? Lehrer sind Trainer ihrer Schüler, sie etablieren die Regeln, aber eben auch Schiedsrichter, sie entscheiden über die Punkte. Gegner der Abiturienten sind sie in der Regel nicht. Muhammad Ali oder Cassius Clay war eine schwierige Persönlichkeit, ein Großmaul, der sich selbst immer wieder gerne in den Himmel hob. Aber er war auch öffentlich bekennender Kriegsdienstverweigerer in einer Zeit, in der ihm für seine Haltung eine Gefängnisstrafe drohte. Frau Strucken ermunterte die Abiturienten, es ihm nachzutun: Sich nicht einschüchtern zu lassen durch die Lauten und die Pöbelnden, selber denken und mutige Entscheidungen treffen! 12 Runden Schulzeit können als Trainingslager gelten.

Einige Schülerinnen und Schüler haben besondere Leistungen erbracht. Gerade diese Leistungen zeigen, dass man am Europagymnasium weit mehr erwerben kann als die vorgegebenen Inhalte der Fächer. Herr Strucken Bathke überreichte das Certilinguazertifikat, mit dem außerordentliche kulturelle Kompetenzen gewürdigt werden, an 4 Schülerinnen: Tabea Pawlitschko, Momo Räke, Katja Welterlich und Paula Lutz. Caroline Sander ist es gelungen, das französische DELF Zertifikat C1 zu erwerben, damit zeigt sie, dass sie fast so spricht, als ob Französisch ihre Muttersprache wäre.

Dr. Jochen Feldhoff konnte eine außerordentliche Neuigkeit überbringen: Seit Ende 2017 ist das Gymnasium der Stadt Kerpen Anwärter für das nationale Excellence-Netzwerk MINT-EC von Schulen mit ausgeprägtem Profil in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). An diesem Vormittag war die Nachricht eingetroffen, dass das Europagymnasium Kerpen in das Mint-EC Netzwerk aufgenommen werden wird. Dr. Feldhoff verlieh die Würdigungen im naturwissenschaftlichen Bereich. Der Abiturpreis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) ging an Celina Hahn, Michael Kleefisch und Tabea Pawlitschko. Den Abiturpreis der Deutschen Mathematiker Vereinigung (DMV) erhielten Christoph Burmeister, Maximilian Heuwes, Annika Mücke und Tabea Pawlitschko. In diesem Schuljahr sind wir erstmalig dazu berechtigt, auch das MINT-EC-Zertifikat zu vergeben. Das Zertifikat erwarben Jonas Abels, Nilofar Ehsani , Marcel Potrykus, René Panning, Leonie Gierens, Maximilian Heuwes, Michael Kleefisch, Kai Liersch, Tabea Pawlitschko.


Bürgermeister Dieter Spürck bezog sich in seiner Rede noch einmal auf den Boxkampf als Jahrgangsmotto. Er hob vor allen Dingen die sozialen Kompetenzen hervor, die man im Trainingslager Schule erwerben kann. Dazu gehöre vor allem der gegenseitige Respekt, den man insbesondere in den sozialen Medien oft vermissen kann. „ Bringen Sie sich ein“ appellierte er an die Abiturienten. „Man kann sich beklagen, oder etwas dagegen tun“. Zum Beweis hatte Herr Spürck ein Glas Honig mitgebracht. Nicht etwa, um den Abiturienten Honig ums Maul zu schmieren, sondern um zu zeigen, dass die Stadt Kerpen etwas tut gegen den Insektenschwund: zum Beispiel werden auf dem begrünten Rathausdach Bienen gezüchtet, von denen eben dieser Honig stammt.

Für die nächste Rednerin, Schulpflegschaftsvorsitzende Frau Räke, war es ein ganz besonderer Tag: Die eigene Tochter gehörte zu den gefeierten Abiturientinnen. Sie erinnerte an die letzte Schulwoche und das Motto „erster Schultag“. In Gedanken an diesen Tag vor 12 Jahren erinnerte sie daran, dass die Jungen in dieser Zeit in der Schule das Rüstzeug für ihr weiteres Leben bekommen haben. Das Abitur verglich sie mit der Green Card, die den Eintritt in das Erwachsenenleben vereinfacht.

Joost Eilers und Momo Räke aus den Reihen der Abiturienten bedankten sich zunächst einmal bei ihren Eltern und Freunden und den Lehrerinnen und Lehrern. Zum ersten Mal bekamen die Beratungslehrer einen Blumenstrauß! Ein NC (Numerus Clausus, Zugangsbeschränkung für Studienplätze anhand des Abitursdurchschnitts), sagte Momo, sage nichts über einen aus. „Lasst Euch nicht auf diese Zahl reduzieren!“ Man habe gelernt zu leben, zu feiern und Entscheidungen zu treffen. Und dann hatten sich die Beiden noch eine kleine Aktion ausgedacht: Alle Anwesenden wurden aufgefordert, auf einem Zettel zu notieren, wo sie in 10 Jahren stehen werden und wie es dann aussehen wird. Beim nächsten Treffen in 10 Jahren werden die Zettel dann herausgeholt und präsentiert. Eine schöne Idee! Und wer sich noch nicht beteiligt hat, kann das auch noch auf dem Abiturball tun.

Eine würdige Abiturfeier muss auch musikalisch begleitet werden. Dafür sorgten Nsansi Kiangebeni und Davina Weber, unterstützt von Basement Project mit ihrer gelungenen Darbietung von Dernière danse und Today my life begins. Bohemian Rhapsody von Freddy Mercury wurde souverän von Judith Krebs am Flügel interpretiert.

Wir gratulieren allen Abiturienten und wünschen weiterhin viel Erfolg!

U. Zöller

 

Fotos von Jochen Schnabel

Fotos von Dominik Riediger