Erasmus Ungarn24 2019 04 01

Die Tage in Budapest vergehen wie im Flug. Die letzte Station unserer Roadshow führt uns in eine Berufsschule. Hier springt der Integrationsfunke zwar nur mühsam über, aber dennoch geben unsere SchülerInnen ihr Bestes. Der Rest des Tages verläuft zielstrebig und zugleich entspannt: Uns fällt ein, dass wir ein Gruppenfoto für die CD, auf der all unsere Projektergebnisse verewigt werden sollen, aufgenommen werden muss. Jemand hat die Idee, den Schriftzug unseres Projekttitels „Wir in Europa“ mit Hilfe unserer Körper darzustellen. Yannic fackelt nicht lange und schießt sehr professionell die entsprechenden Fotos. Es ist nicht ganz einfach, z. B. ein großes R darzustellen, aber letzten Endes bekommen wir es hin.

Ein paar Meter weiter wird ein Flashmob veranstaltet, und natürlich machen wir mit – schließlich haben wir inzwischen ausreichend Flashmob-Erfahrung. Und dann heißt es Abschied nehmen. Da wir auf unserer Rückreise unterschiedliche Flugziele ansteuern werden, verabschieden sich zuerst unsere ungarischen Freunde und dann müssen wir auch unseren spanischen Freunden „Auf Wiedersehen“ sagen. Es folgt dieser magische Moment, der uns vor Augen führt, weshalb Schüleraustauschprogramme so wichtig sind: Wenn dieses „Haus Europa“, wenn dieser Staatenbund eine friedliche Zukunft haben soll, dann geht dies nur über die Achse junger Menschen, die den Mehrwert des interkulturellen Austausches erkannt und persönlich erlebt haben. Und auch bei diesem Projekt sind zahlreiche Freundschaften entstanden.

Erasmus Ungarn26 2019 04 01

Der Rest des Nachmittags steht den SchülerInnen zur freien Verfügung, und wir schlendern durch die Stadt. Über dem Parlamentsgebäude geht langsam die Sonne unter. Ich stoße auf einen etwas improvisierten, aber zugleich auffälligen Stand, an dem zwei EU-Flaggen hängen. Direkt daneben steht ein Herr; ich gehe auf ihn zu und frage ihn, was es mit seinem Stand auf sich hat. Ich erfahre, dass sein kleiner Stand unmittelbar vor einem großen Denkmal Budapests steht, das von ihm als geschichtsverfälschend empfunden wird. Ich verstehe nicht alles, aber ich erfahre, dass es bei dem Protest des Mannes um Freiheit, um Menschenrechte, um politisch Inhaftierte der Vergangenheit und um die derzeitige, politisch angespannte Situation im eigenen Land geht. Während bei uns im Westen in Diskussionen über die EU oft deren „Nachteile“ in den Vordergrund gestellt werden, bringt hier jemand eine große Sehnsucht nach Frieden, nach echter Demokratie, nach Meinungsfreiheit zum Ausdruck. Wie gut, dass wir auch diese Perspektive einmal kennenlernen.

Erasmus Ungarn27 2019 04 01

Es wird Abend in Budapest. Unsere SchülerInnen scheinen noch Energie ohne Ende zu haben und so machen wir uns mit der gesamten Gruppe auf zum Parlamentsgebäude. Im Dunkeln, stimmungsvoll angestrahlt, sieht das Bauwerk noch prächtiger aus. Wie schießen zahlreiche Fotos und machen uns langsam aber sicher auf den Rückweg zu unserem Hostel. Nach etwa einer Stunde Fußweg (gefühlt waren es mindestens drei Stunden) kommen wir dort an.

Erasmus Ungarn28 2019 04 01Erasmus Ungarn29 2019 04 01

Was bleibt? Erasmus+ Programme sind eine ideale Gelegenheit, Europa („Vereint in Vielfalt“) geografisch und kulturell erfahrbar zu machen. Und auch die politische Union sollte viel öfter mit all ihren Vorzügen gesehen als ausschließlich mit negativen Themen in Verbindung gebracht werden. Vergesst für einen Moment den Brexit, den gegenwärtigen Rechtsruck, all die anderen europäischen Herausforderungen – liebe SchülerInnen: lebt Europa, seid Europa!

Auch bei zukünftigen Erasmus+ Projekten unserer Schule möchten wir Euch SchülerInnen mitnehmen auf eine Reise durch Europa – sprecht uns an, wenn Ihr Ideen habt! An dieser Stelle ein großes Lob und ein herzliches Dankeschön an unsere SchülerInnen, die sich auf unserer Reise vorbildlich verhalten haben. Wir konnten uns stets auf Euch verlassen, und Ihr habt alles für unser Projekt gegeben – danke schön!

Oliver Strucken-Bathke für das Erasmus+ Team, 08.04.2019