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Nachdem man am Dienstag – Asitag – ganz unten war, hob sich das intellektuelle, musikalische und zwischenmenschliche Niveau am Mittwoch gewaltig. Wahrscheinlich haben die Großeltern ihren Enkeln vorgeschwärmt:

Damals, 68, wir haben das ganze Jahr durchgetanzt, haben uns Blumen ins Haar gesteckt, haben die Menschen auf der Straße umarmt, unsere T-Shirts in psychedelischen Farben selbst gebatikt (Frage der Enkelin: „Oma, was heißt ‚psychedelisch?“ Oma: „Das sind Sinneseindrücke, die sich einstellen, wenn du beki.., ach, keine Ahnung, frag Papa!“). Und die Musik! Schon die Beatles hatten das Thema vorgegeben: „All you need is love“ blieb wochenlang an Nr. 1 der Charts. Scott McKenzies „San Francisco“: „If you’re going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair!”, Jimi Hendrix’ “The wind cries Mary”, Joan Baez’ Interpretation von “We shall overcome”, Carlos Santana, Grateful Dead, Janis Joplin – das waren die Stars der Hippi-Ära, viele davon früh verstorben: Sie hatten einfach zu intensiv gelebt.

Freie Liebe löste die spießige Kernfamilie ab. „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“ – mit diesem Tagesbefehl wurden in Deutschland alle die eingeschüchtert, die noch an die romantische Liebe glaubten. Bald schon kam Politik ins Spiel: Beim legendären Woodstock-Festival 1969 spielte der Rock-Jazz-Fusion-Superstar Jimi Hendrix zum Abschluss die amerikanische Nationalhymne. Mit der von ihm kultivierten Feedback-Technik schredderte er die heilige Hymne und verwandelte sie in infernalische Maschinengewehrsalven – sein wortloser aber um so wirkungsvollerer Kommentar zum völkerrechtswidrigen US-Krieg in Vietnam.

„Ok, Oma, danke für die Info, wir sind in 2018 angekommen und feiern selber!“ „Könnt ihr das?“ „Klar! Wir haben uns mit psychedelischen Farben bedruckte T-Shirts angezogen, haben zur Musik von Carlos Santana, Grateful Dead und Scott McKenzie getanzt, jeder hat jeden umarmt, und einer hat auch ein Schild gegen die AfD dabei gehabt. Und das alles bei uns in der Cafe.“

„Toll", sagt Oma, „dann haben wir die Flower-Power-Revolution damals ja nicht umsonst gemacht!“

Nee, habt ihr nicht, Oma, war ne tolle Party heute in der Cafeteria.

Fotos

Das Video zum Mitsingen

Bernd Woidtke